Matthäus 7, 21-23

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: HERR, HERR! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! (Matthäus 7, 21-23)

Mittwoch, 21. September 2016

Christ in der Zeit

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

immer wieder berührt es mich, wie sehr wir Menschen doch dazu neigen, uns aus Angst vor der Zukunft in der Vergangenheit zu verbeissen. Und es das nicht auch verständlich? Ist es nicht allzu menschlich, daß wir der Vergangenheit, die wir ja bereits kennen, eher unser Herz schenken, als der Zukunft, deren Ungewissheit uns schwer auf der Seele lastet?

Wir kennen alle diese Erfahrung: Daß allzuoft Dinge sich anders entwickeln, als wir es erwartet haben. Oder daß wir bittere Enttäuschungen erlebten, als wir meinten, alles so perfekt geplant und vorbereitet zu haben, daß alles eigentlich hätte anders kommen müssen? Und aus diesen Enttäuschungen und Erfahrungen, meine Lieben, lernen wir früher oder später, daß die Zukunft eigene Wege geht - daß wir sie weder beherrschen noch vorhersehen können - und diese Unsicherheit verschreckt uns: Wir bekommen Angst vor dem Fortgang der Zeit, weil unweigerlich Veränderungen kommen. Veränderungen nicht nur zum Guten, sondern auch zum Schlechten.

Wir verschliessen uns daher der Zeit und der Veränderung, und trauern lieber dem Vergangenen nach.  Immer hängen wir Menschen an dem Bekannten, und scheuen das Unbekannte. Wie oft spürt man diese Haltung in den Gesprächen der Leute: Sie sprechen oftmals über das Gestern, über die Vergangenheit. Das Morgen hingegen scheint ein Tabu zu sein. Denn niemand kennt das morgen.

Aber können wir uns dieser Aussage als Christen anschließen? Ist es richtig für uns Christen, aus Ungewissheit über das Morgen, ängstlich im Alten, im Gestern, zu verharren? Ich sage Euch, meine Lieben, wir Christen müssen hier ganz klar sagen: Wir haben überhaupt keinen Grund, Angst vor dem Morgen zu haben. Denn der Herr, der immer mit uns ist, auch auf dem Weg in das Morgen, ist unser Hirte. Unter seinem Schutz wird niemand, der an ihn glaubt, zu Fall kommen. Soll das Morgen doch kommen! Laßt uns erhobenen Hauptes und freien Geistes, in gelassener Demut in dieses Morgen gehen, als Knechte des Herrn. Uns geschehe nach seinem Willen, und ich sage Euch: Vor nichts brauchen wir uns zu fürchten. Wir kennen nämlich nicht nur das Morgen, liebe Brüder und Schwestern, sondern auch das Übermorgen - welches unsere Heimkehr zum Vater ist.

Laßt uns unverzagt und voller Freude und Liebe unser Kreuz auf uns nehmen, auch wenn wir manchmal fürchten, daß es uns erdrücken wird - denn der Herr wird uns kein Kreuz auflegen, daß wir nicht tragen können. Er wird uns immer sicher ans Ziel bringen, auch wenn wir manchmal nicht wissen, welches der Weg dorthin ist. Er weiß es. Denn wie steht es geschrieben:
"Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.
Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage."
(Matthäus 6, 25-34)
Nicht im Gestern leben, meine Lieben, und nicht immer zurückschauen - sondern heute leben. Jetzt und hier. Und voller Vertrauen und Hoffnung in das Morgen blicken - daß ist die Haltung eines Christen. Seht Lots Frau: Sie sah zurück, und wurde zur Salzsäule (siehe 1. Mose, Kapitel 19).


Wenn also andere verzagt sind, weil sie das Ziel und den Weg nicht kennen, und sich in Erinnerungen und dem Gestern verlieren, ich sage Euch, sie haben umsonst gelebt, und sind schon gestorben. Wer aber offenen Herzens, sich vom allmächtigen Vater im Himmel in das Morgen tragen läßt, der wird Heimkehren. Der wird nicht sterben und selbst zu einem Gestern werden, das irgendwann in Vergessenheit gerät - Nein: Er wird Heimkehren - Heimkehren in die Ewigkeit. Und das ist der Weg, die Stärke und die Hoffnung eines Christen, daß geschrieben steht:
"Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?"
(Johannes 11, 25-26)
 


Der Friede sei mit Euch,

Amen.

Dienstag, 19. Juli 2016

Wachet und betet!

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

in der Heiligen Schrift lesen wir:
"Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach."
(Matthäus 26, 41)
 Wir wollen uns diesen Vers einmal genauer anschauen: Es geht einerseits um das Wachen und die Versuchung, und andererseits um die Gegenüberstellung von Geist und Körper.


In der betreffenden Stelle der Bibel geht es darum, daß die Jünger entgegen dem Wunsch unseres Herrn eingeschlafen sind - und das nicht nur einmal. Der Herr ist mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane gegangen, und bietet sie zu warten, und mit ihm zu wachen. Dann wendet er sich um, entfernt sich ein Stück, um zu beten, und was passiert? Kaum ist der Herr davongegangen, schlafen die Jünger ein. Der Herr kam aber nach einer Zeit wieder und weckte sie. Er bat sie erneut zu warten und zu wachen. Und wieder entfernte er sich - und wieder schlafen die Jünger ein.

Meine Lieben, diese Stelle ist bermerkenswert! Denn sie erzählt uns davon, wie Jesus sich von uns wünscht mit ihm zu wachen, und wir jedoch jedesmal wieder einschlafen, wenn er nicht bei uns ist. Natürlich ist der Herr immer bei uns, aber nehmen wir ihn denn wahr? Denn letztlich sind wir es, die sich von ihm abwenden, und dann geschieht, was den Jüngern in Gethsemane geschehen ist: Wir schlafen ein - wir wachen nicht. Und deshalb kommt an dieser Stelle der nächste Teil des Satzes ins Spiel: "...betet, damit ihr nicht in Anfechtung verfallt."

Wer betet, liebe Brüder und Schwestern, der wendet sich Jesus Christus, unserem Herrn zu. Und wie in Gethsemane erweckt er uns durch seine Anwesenheit. Wir erwachen! Und wer erwacht - der ist auch wachsam. Und wer wachsam ist, kann nicht überrascht werden, kann reagieren, ist aufmerksam und läßt sich nicht überlisten. Wer aber schläft, ist wehrlos - ein leichtes Opfer. Der Herr lehrt uns, daß wir uns der Versuchung nur erwehren könnten, wenn wir wachsam sind. Wenn wir uns seiner Gegenwart versichern, kann die Versuchung uns nichts anhaben. Wenn wir uns jedoch von Jesus abwenden, dann können und werden wir der Versuchung zum Opfer fallen.

Hier weist uns der Herr auch darauf hin, warum das so ist: "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach". Was sagt uns das? Es sagt uns, daß der Geist grundsätzlich vernünftig ist, und daß er erkennt, daß er wachen und beten soll. Das Fleisch hingegen ist schwach: Es unterliegt seinen Bedürfnissen - es kann nicht "wollen" und kann nicht "wachen und beten". Das Fleisch ist schwach - es ist dasjenige, daß der Versuchung sofort unterliegt. Übertragen wir das nun in etwas gängigere Begriffe, können wir sagen:

Der Geist ist stark, weil er erkennen kann: Nur durch den Geist können wir die Versuchung erkennen und uns ihrer bewußt erwehren. Doch das Fleisch kann das nicht: Das Fleisch ist triebhaft, es gibt sich ganz seinen Lüsten und Begierden hin. Es kennt kein "Warum" und "Wieso". Es kennt keinen Glauben, kein "Richtig" oder "Falsch". Nur der Geist ist dazu fähig, und deshalb ist er stärker, als das Fleisch. Wenn wir im Geiste von etwas überzeugt sind, dann können wir schlafen, krank sein, im Urlaub sein oder auf der Arbeit, im Stress oder sonstwie in den unterschiedlichsten Situationen - unsere Überzeugung im Geist ist konstant. Sie verändert sich nicht durch sie selbst, sondern ist beständig. Unser Körper jedoch, also das Fleisch, ist im steten Wandel: Jetzt haben wir Durst, nachher Hunger. Dann sind wir müde und wollen schlafen, dann begehren wir eine Frau oder einen Mann - der Körper ist zu jeder Zeit vollkommen veränderlich. Er ist schwach - wie ein Korken im Wasser, der durch die kleinsten Wellen bereits hin und her geworfen wird.

Aus diesen Überlegungen können wir den Satz auch anders formulieren: Der Geist muß stark sein, weil er es kann, und weil das Fleisch schwach ist, und nicht anders kann. Das will uns Jesus Christus sagen! Und er sagt uns auch, daß unser Geist nur durch ihn stark sein kann. Durch seine Gegenwart, durch unsere Hinwendung zu ihm, unseren Herrn, wird unser Geist stark, damit wir nicht den Begierden unseres Fleisches unterworfen werden.

Denn zu was führen uns die Begierden unseres Fleisches? Sie führen zu alldem, von dem Jesus gesagt hat:
"Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen."
(Matthäus 15, 18-20)
Und so wollen wir, liebe Brüder und Schwestern, immer versuchen zu wachen und zu beten, damit der Herr uns durch seine Gegenwart stärkt, und wir nicht den zahlreichen Anfechtungen dieser Welt verfallen. Wenden wir uns nicht ab von ihm, denn sonst werden wir unvermeidlich einschlafen.

Der Friede sei mit Euch!