Matthäus 7, 21-23

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: HERR, HERR! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! (Matthäus 7, 21-23)

Dienstag, 27. Dezember 2016

Nachbetrachtungen zu Weihnachten

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

wie in jedem Jahr feierten wir in den vergangenen Tagen das Fest der heiligen Weihnacht. Aber - ebenfalls wie in jedem Jahr - fäll es mir schwer, in Weihnachsstimmung zu geraten. Den das Weihnachten, welches ich als Christ begehe, hat so gar nichts mehr mit dem zu tun, was jedes Jahr als Weihnachten gelebt wird.

Denn was sich hier als alljährliches heiliges Fest ausgibt, ist das denn wirklich ein heiliges Fest? Ich kann das nicht bestätigen: Es ist eher eine säkulare, verzerrte Fratze dessen, was einmal die eigentliche heilige Weihnacht war: Ein besinnliches, heiliges Fest, in welchem die Menschwerdung Gottes, die Geburt unseres Herrn Jesus Christus ganz allein im Mittelpunkt stand - und auch heute noch stehen sollte. Stattdessen haben wir an die Stelle unseres Herrn Jesus eine Werbefigur gestellt: Den Weihnachtsmann - erfunden von einem Wirtschaftsunternehmen als Werbegag.

Gibt es denn eine überhaupt eine annähernd passende Beschreibung für diesen unfassbaren Frevel an Gott? Das man ihn höchstselbst an seinem ureigensten Fest, durch einen Werbegag ersetzt hat? Und das nicht nur in Person: Hat man nicht gleichzeitig auch die Werte der heiligen Weihnacht eingetauscht? Wo früher Stille, Frieden, Andacht und Anbetung standen - steht da nicht jetzt der Konsum? Das Event, die Party? Ist Weihnachten nicht einfach nur zu einem Vehikel für die Befriedigung des Mammon geworden? Ja: Des Mammon! Besser kann man die Weihanchtsindustrie hinter dem Zugpferd des Werbegags "Weihnachtsmann" schon gar nicht mehr charakterisieren. Was das bedeutet, meine Lieben, das wißt Ihr selbst - denn Jesus lehrte uns: Man kann nicht beiden Herren gleichzeitig dienen: Gott und dem Mammon. Wir aber dienen nichts anderem - und die Wirtschaft verläßt sich voll und ganz auf die Konsumspitze in der alljährlichen Weihnachtszeit.

Aber es geht nicht nur darum, daß wir Menschen der modernen westlichen Wirtschaftsnationen Gott gegen eine Witzfigur ausgetauscht haben - es geht auch um die menschliche Entwicklung unserer Gesellschaft, die sich immer mehr dem Mammon verschrieben hat. Es ist meines Erachtens kein Zufall, liebe Büder und Schwestern, daß die Weihnachtszeit, entgegen aller äußerlichen Präsentationen, menschlich eine sehr konfliktbeladene Zeit ist. Die Menschen - ja, die ganze Gesellschaft  (ich spreche jetzt natürlich nur für unserern Kulturkreis) - sind zutiefst von einer Zerrissenheit durchdrungen. Denn da gibt es noch diese Erinnerung in unserer Volksseele: An die heilige, stille Weihnacht im Kreise der Lieben - aber der Kreis der Lieben: Was ist aus ihm geworden, der früher für die allermeisten Menschen unseres Kultrkreises selbstverständlich war?

Wie oft hört man denn von der Tortur, die Viele freiwillig ertragen, und sich anschließend doch darüber beschweren, wie sehr alle darauf bedacht gewesen sind, die Familienzusammenkunft am heiligen Abend nicht in Streit und Zwist ausarten zu lassen. Gute Mine zum bösen Spiel, heißt es oft - es wäre ja immerhin Weihnachten, und da "müsse man halt durch" - inklusive allem erforderlichen Aufwand, der nicht selten in den vielzitierten Weihnachtsstress ausartet: Geschenke kaufen, auf Weihnachtsfeiern und -märkte gehen, die Einkäufe für die Feiertage erledigen, mitunter auch die ein oder andere Weihnachts-Ferienreise organisieren, die Besuche an den Feiertagen planen, und, und, und...aber Stress und Weihnachten: Alleine diese Mischung muß einen als Christ doch alarmieren! Da stimmt doch was nicht! Wo ist den Jesus Christus und das Evangelium in diesem Chaos geblieben?

Es mutet mir befremdlich an, wenn an diesen wenigen Tagen der heiligen Weihnacht die Menschen plötzlich, wie von Geisterhand gewissermaßen, auf Werte verweisen, die sie das ganze Jahr über mit Füßen treten. Aber bei einem Verweisen auf diese Werte wie "Frieden" und "Nächstenliebe", bleibt es meist - es löst sich nach diesen paar Tagen wieder in Wohlgefallen auf. Gott und Christus suchen wir aber auch hier vergeblich. Ebenso, wie bei vielen Menschen Weihnachten zu einem Selbstbeweihräucherungsfest entartet ist - hier geht es nur darum, sich in Scheinheiligkeit zu baden, und sich von seinen Mitmenschen in Form von Essenseinladungen, aufgesetzter Freundlichkeit und (hoffentlich) exklusiven Geschenken immer wieder bestätigen zu lassen. Das moderne Weihnachten als Hochfest der Egoisten - und als provozierende Präsentation einer Wohlstandsgesellschaft: Zahlreiche und hochwertige Weihnachtsgeschenke gelten ebenso Status-Symbole wie aufwändig geschmückte Weihnachtsbäume und ein Weihnachts-Spitzenmenü.

Aber auch das Gegenteil können wir beobachten: Menschen in unserer Mitte, die Schlimmes erdulden mußten, seelisch kaputt sind, verarmt, verzweifelt - diese Menschen müssen tagtäglich in der Weihnachtszeit ertragen, daß sie an dem bunten Rausch der Weihnachten nicht teilnehmen können, ausgegrenzt sind, und daß an wenige unter ihnen bestenfalls von karitativen Einrichtung gedacht wird. Und jene, die zwar die Mittel hätten, sich am Rausch zu beteiligen, aber schlicht und ergreifend einsam sind? Die erkannt haben, daß das alles nicht wirklich zählt - das alles nur Heuchelei ist? Die, die unglücklich sind mit ihrer persönlichen Situation, und dann dieses grelle, bunte, eventgeladene Weihnachten auf Gedeih und Verderb ertragen müssen, weil es uns überall, auf der Straße und in den Medien, sprichwörtlich "um die Ohren gehauen" wird? Ja - es gibt diese Menschen: Die keine Geschenke brauchen, sondern Liebe, Zuwendung und Nähe.

Denn das, meine lieben Schwestern und Brüder, steht sehr viel näher am eigentlichen Fest der heiligen Weihnachten - die Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen, Die Liebe, die Gott uns erwiesen hat, als er seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus, am Kreuz dahingab, um uns zu erlösen. An Weihnachten, meine Lieben, müssen wir wieder mehr an das Evangelium denken - nicht an Geschenke, Prunk und Hoffahrt. Besinnen wir uns andächtig an die Geburt unseres Herrn Jesus zu Bethlehem und an seine Botschaft der Liebe. Und Liebe bedeutet nicht, unseren Mitmenschen etwas vorzumachen - zu echter Liebe gehört auch die Ehrlichkeit. Unterschätzt niemals die Ehrlichkeit, meine Lieben! Man erweist jemanden nicht seine Liebe, in dem man ihm sagt, was er hören will, sondern in dem wir ehrlich sind. Wo Liebe ist, ist kein Raum für Lügen - oder vornehm ausgedrückt: Heuchelei. Und Liebe muß auch nicht mit teuren Geschenken bewiesen werden - denn Liebe kann man nicht in materiellen Werten ausdrücken.

Weihnachten ist das Fest die Liebe und das Fest unseres Herrn: Wer sich der Barmherzigkeit des allmächtigen Vaters bewußt wird, und dem ungeheuren Opfer, das Jesus Christus auf sich nahm, um uns zu erlösen, muß der nicht mit Demut und Bescheidenheit erfüllt werden? Muß der nicht Abscheu und Ekel empfinden angesichts diesen Wahns, der wie ein irrwitzger Tanz um das goldene Kalb anmutet? Nur, daß das Kalb der Weihnachtsmann ist - und das man eher dem Mammon als Gott gedenkt?

Ich weiß, liebe Brüder und Schwestern, es gibt unter Euch noch viele, die Weihnachten im aufrechten Glauben und in lauterer Gesinnung feiern - aber das, was ich oben beschrieben habe ist leider die Realität für die große Masse der Bevölkerung. Bitten wir Gott durch unseren Herrn Jesus um Vergebung für diese Fehlgeleiteten, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Der Friede sei mit Euch,
Amen.



Montag, 14. November 2016

Odium et horror

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

die stärksten Waffen im Arsenal des Satans sind der Hass und die Angst. In all ihren Schattierungen und Ablegern ziehen sie uns auf die "dunkle Seite der Macht", wie es in der Star-Wars-Saga so oft ausgedrückt wird. Sie untergraben unsere Fähigkeit zu lieben und zu vergeben - sie verblenden unsere Sinne und verwandeln die Welt in ein Zerrbild ihrer selbst.

Keine Sünde, die nicht auf den Säulen der Angst ruht, und keine Gewalt, die nicht auf den Säulen des Hasses ruht. Noch die kleinste Sünde: Entspringt sie nicht etwa der Angst, weniger zu haben als der andere? Oder Unrecht zu erfahren? Oder benachteiligt zu sein? Oder etwas zu verpassen? Das alles sind Ängste! Unsere Ursünde, die wir in uns tragen, die auch Adam und Eva bereits in sich trugen, als die Schlange Eva verführte: War das nicht auch eine unterschwellige Angst? Natürlich war sie das! Die Angst, etwas vorenthalten zu bekommen! Und das führte zur Sünde.

Und wo die Angst erst Fuß gefasst hat - weil man sie nicht wahrhaben will - wo sie schleichend zu einem festen Bestandteil unseres Lebens wird - das ist der Hass nicht weit. Und wenn es nur der Hass auf sich selbst ist. Aber was heißt hier "nur"? Ist nicht der Hass gegen sich selbst die schlimmste Form des Hasses? Führt nicht genau dieser Hass als erste Stufe auch zum Hass auf andere?

Wer soll seine Mitmenschen lieben können, wenn er sich selbst nicht liebt? Wer soll seinen Menschen ein Beispiel sein, wenn er sich selbst, offensichtlich für andere, zerstört? Denn da ist nichts, was nicht zerstörerisch ist, wenn es von Satan stammt! Wer sich selbst hasst, auch wenn er es nicht merkt, der ist sein eigenes Opfer - er wird sich selbst verzehren in seiner Suche nach Erlösung, die er aber doch nicht finden kann, da er von seinem Hass geblendet ist. Und wenn seine Suche lange genug erfolglos war, dann wird er nach Schuldigen suchen - nach denen, von denen er glaubt, daß sie schuld an seinem Hass sind - und er will sie dafür bestrafen; denn der Hass ist der Vater der Rache. Wer sich selbst hasst, der geht nicht durch das Leben, sondern er taumelt hindurch, gleichsam einem Betrunkenen - er wankt zwischen den Extremen und erliegt allen Versuchungen, die ihm Linderung versprechen. 

Und mit der Angst ist es nicht anders. Wer von Angst erfüllt ist - muß der nicht zugrunde gehen, wie eine Pflanze ohne Wasser? Denn seine Angst isoliert ihn von seiner Umwelt. Seine Angst beherrscht ihn - er wird kleinlich, verzagt und panisch. Wer seinen Ängsten erliegt, dessen Leben verwandelt sich eine Vorabversion der Hölle - erfüllt von Qualen, die ihn zu verschlingen drohen und sein Innerstes aufffressen. Auch er wird, gleichsam einem Betrunkenen, nur noch mühsam durch seine Existenz taumeln, sich ungeprüft an alles klammern, was ihm Heilung verspricht. Und doch sind seine Augen blind und sein Geist schwach.

Angst und Hass sind wie schwere Bleiswesten, die sich um Herz, Geist und Verstand schlingen. Sie ersticken uns geradezu, bis wir soweit sind, daß unsere Existenz uns nurmehr als Qual und Fluch erscheint. Alles Leben verliert seine Farbe - alle Liebe verliert ihren Glanz. Das Leben verliert seinen Sinn. Und wenn wir erst soweit sind, dann ist Satan der große Sieger. Beladen mit unseren Ängsten und unserem Hass sendet er uns aus in die Welt, diese Angst und diesen Hass zu verbreiten. Denn Angst und Hass sind ansteckend wie Krankheiten. Wer sich mit einer Atmosphäre von Angst und Hass umgibt, der wird ihnen erliegen.

Aber wir, liebe Brüder und Schwestern, die wie an Jesus Christus, unseren Herrn, den eingeborenen Sohn Gottes, glauben, sind durch den Heiligen Geist nicht nur gegen Ängste und Hass geimpft - nein - wir haben dadurch auch das wirksamste Medikament gegen sie in der Hand. Da ist keine Angst und kein Hass, die nicht durch die Liebe unseres Herrn Jesus kuriert werden könnten. Da ist kein Hass, der sich nicht durch die Kraft des Gebetes und der Liebe, wie sie uns Jesus Christus nicht nur gelehrt, sondern auch vorgelebt hat, auflösen läßt. Gegen den Ansturm der Angst und des Hasses, liebe Schwestern und Brüder, errichten wir das Bollwerk des Glaubens. Inmitten ihrer Finsterness, entzünden wir das Licht des Glaubens und der Liebe, denn nicht zuletzt dazu sind wir Christen.

Wer Euch seinen Hass und seine Ängste entgegenschleudert, dem wollen wir nicht zürnen, sondern der Liebe unseres Herrn anempfehlen und für ihn beten. Und wenn er uns um Beistand bitten, lasst uns diesem Bedrängten und Gequälten das Licht der Liebe und des Glaubens zeigen, damit sein verfinstertes Herzen wieder licht werde.

Wenn uns einmal Angst und Hass ergreifen, dann wollen wir sie von uns weisen. Sollen diese Dämonen von uns weichen, und dahin zurückgehen, wo sie hergekommen sind! Für uns, als Kinder Gottes durch Jesus Christus und im Heiligen Geist, ist Satan nämlich kein ebenbürtiger Gegner - erst recht nicht unser Gebieter. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die Worte der Heiligen Schrift:


"So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens! Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt! Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!" (Epheser 6, 14-17)


Der Friede sei mit Euch!

Amen.