Matthäus 7, 21-23

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: HERR, HERR! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! (Matthäus 7, 21-23)

Montag, 14. November 2016

Odium et horror

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

die stärksten Waffen im Arsenal des Satans sind der Hass und die Angst. In all ihren Schattierungen und Ablegern ziehen sie uns auf die "dunkle Seite der Macht", wie es in der Star-Wars-Saga so oft ausgedrückt wird. Sie untergraben unsere Fähigkeit zu lieben und zu vergeben - sie verblenden unsere Sinne und verwandeln die Welt in ein Zerrbild ihrer selbst.

Keine Sünde, die nicht auf den Säulen der Angst ruht, und keine Gewalt, die nicht auf den Säulen des Hasses ruht. Noch die kleinste Sünde: Entspringt sie nicht etwa der Angst, weniger zu haben als der andere? Oder Unrecht zu erfahren? Oder benachteiligt zu sein? Oder etwas zu verpassen? Das alles sind Ängste! Unsere Ursünde, die wir in uns tragen, die auch Adam und Eva bereits in sich trugen, als die Schlange Eva verführte: War das nicht auch eine unterschwellige Angst? Natürlich war sie das! Die Angst, etwas vorenthalten zu bekommen! Und das führte zur Sünde.

Und wo die Angst erst Fuß gefasst hat - weil man sie nicht wahrhaben will - wo sie schleichend zu einem festen Bestandteil unseres Lebens wird - das ist der Hass nicht weit. Und wenn es nur der Hass auf sich selbst ist. Aber was heißt hier "nur"? Ist nicht der Hass gegen sich selbst die schlimmste Form des Hasses? Führt nicht genau dieser Hass als erste Stufe auch zum Hass auf andere?

Wer soll seine Mitmenschen lieben können, wenn er sich selbst nicht liebt? Wer soll seinen Menschen ein Beispiel sein, wenn er sich selbst, offensichtlich für andere, zerstört? Denn da ist nichts, was nicht zerstörerisch ist, wenn es von Satan stammt! Wer sich selbst hasst, auch wenn er es nicht merkt, der ist sein eigenes Opfer - er wird sich selbst verzehren in seiner Suche nach Erlösung, die er aber doch nicht finden kann, da er von seinem Hass geblendet ist. Und wenn seine Suche lange genug erfolglos war, dann wird er nach Schuldigen suchen - nach denen, von denen er glaubt, daß sie schuld an seinem Hass sind - und er will sie dafür bestrafen; denn der Hass ist der Vater der Rache. Wer sich selbst hasst, der geht nicht durch das Leben, sondern er taumelt hindurch, gleichsam einem Betrunkenen - er wankt zwischen den Extremen und erliegt allen Versuchungen, die ihm Linderung versprechen. 

Und mit der Angst ist es nicht anders. Wer von Angst erfüllt ist - muß der nicht zugrunde gehen, wie eine Pflanze ohne Wasser? Denn seine Angst isoliert ihn von seiner Umwelt. Seine Angst beherrscht ihn - er wird kleinlich, verzagt und panisch. Wer seinen Ängsten erliegt, dessen Leben verwandelt sich eine Vorabversion der Hölle - erfüllt von Qualen, die ihn zu verschlingen drohen und sein Innerstes aufffressen. Auch er wird, gleichsam einem Betrunkenen, nur noch mühsam durch seine Existenz taumeln, sich ungeprüft an alles klammern, was ihm Heilung verspricht. Und doch sind seine Augen blind und sein Geist schwach.

Angst und Hass sind wie schwere Bleiswesten, die sich um Herz, Geist und Verstand schlingen. Sie ersticken uns geradezu, bis wir soweit sind, daß unsere Existenz uns nurmehr als Qual und Fluch erscheint. Alles Leben verliert seine Farbe - alle Liebe verliert ihren Glanz. Das Leben verliert seinen Sinn. Und wenn wir erst soweit sind, dann ist Satan der große Sieger. Beladen mit unseren Ängsten und unserem Hass sendet er uns aus in die Welt, diese Angst und diesen Hass zu verbreiten. Denn Angst und Hass sind ansteckend wie Krankheiten. Wer sich mit einer Atmosphäre von Angst und Hass umgibt, der wird ihnen erliegen.

Aber wir, liebe Brüder und Schwestern, die wie an Jesus Christus, unseren Herrn, den eingeborenen Sohn Gottes, glauben, sind durch den Heiligen Geist nicht nur gegen Ängste und Hass geimpft - nein - wir haben dadurch auch das wirksamste Medikament gegen sie in der Hand. Da ist keine Angst und kein Hass, die nicht durch die Liebe unseres Herrn Jesus kuriert werden könnten. Da ist kein Hass, der sich nicht durch die Kraft des Gebetes und der Liebe, wie sie uns Jesus Christus nicht nur gelehrt, sondern auch vorgelebt hat, auflösen läßt. Gegen den Ansturm der Angst und des Hasses, liebe Schwestern und Brüder, errichten wir das Bollwerk des Glaubens. Inmitten ihrer Finsterness, entzünden wir das Licht des Glaubens und der Liebe, denn nicht zuletzt dazu sind wir Christen.

Wer Euch seinen Hass und seine Ängste entgegenschleudert, dem wollen wir nicht zürnen, sondern der Liebe unseres Herrn anempfehlen und für ihn beten. Und wenn er uns um Beistand bitten, lasst uns diesem Bedrängten und Gequälten das Licht der Liebe und des Glaubens zeigen, damit sein verfinstertes Herzen wieder licht werde.

Wenn uns einmal Angst und Hass ergreifen, dann wollen wir sie von uns weisen. Sollen diese Dämonen von uns weichen, und dahin zurückgehen, wo sie hergekommen sind! Für uns, als Kinder Gottes durch Jesus Christus und im Heiligen Geist, ist Satan nämlich kein ebenbürtiger Gegner - erst recht nicht unser Gebieter. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die Worte der Heiligen Schrift:


"So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens! Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt! Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!" (Epheser 6, 14-17)


Der Friede sei mit Euch!

Amen.

Mittwoch, 21. September 2016

Christ in der Zeit

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

immer wieder berührt es mich, wie sehr wir Menschen doch dazu neigen, uns aus Angst vor der Zukunft in der Vergangenheit zu verbeissen. Und es das nicht auch verständlich? Ist es nicht allzu menschlich, daß wir der Vergangenheit, die wir ja bereits kennen, eher unser Herz schenken, als der Zukunft, deren Ungewissheit uns schwer auf der Seele lastet?

Wir kennen alle diese Erfahrung: Daß allzuoft Dinge sich anders entwickeln, als wir es erwartet haben. Oder daß wir bittere Enttäuschungen erlebten, als wir meinten, alles so perfekt geplant und vorbereitet zu haben, daß alles eigentlich hätte anders kommen müssen? Und aus diesen Enttäuschungen und Erfahrungen, meine Lieben, lernen wir früher oder später, daß die Zukunft eigene Wege geht - daß wir sie weder beherrschen noch vorhersehen können - und diese Unsicherheit verschreckt uns: Wir bekommen Angst vor dem Fortgang der Zeit, weil unweigerlich Veränderungen kommen. Veränderungen nicht nur zum Guten, sondern auch zum Schlechten.

Wir verschliessen uns daher der Zeit und der Veränderung, und trauern lieber dem Vergangenen nach.  Immer hängen wir Menschen an dem Bekannten, und scheuen das Unbekannte. Wie oft spürt man diese Haltung in den Gesprächen der Leute: Sie sprechen oftmals über das Gestern, über die Vergangenheit. Das Morgen hingegen scheint ein Tabu zu sein. Denn niemand kennt das morgen.

Aber können wir uns dieser Aussage als Christen anschließen? Ist es richtig für uns Christen, aus Ungewissheit über das Morgen, ängstlich im Alten, im Gestern, zu verharren? Ich sage Euch, meine Lieben, wir Christen müssen hier ganz klar sagen: Wir haben überhaupt keinen Grund, Angst vor dem Morgen zu haben. Denn der Herr, der immer mit uns ist, auch auf dem Weg in das Morgen, ist unser Hirte. Unter seinem Schutz wird niemand, der an ihn glaubt, zu Fall kommen. Soll das Morgen doch kommen! Laßt uns erhobenen Hauptes und freien Geistes, in gelassener Demut in dieses Morgen gehen, als Knechte des Herrn. Uns geschehe nach seinem Willen, und ich sage Euch: Vor nichts brauchen wir uns zu fürchten. Wir kennen nämlich nicht nur das Morgen, liebe Brüder und Schwestern, sondern auch das Übermorgen - welches unsere Heimkehr zum Vater ist.

Laßt uns unverzagt und voller Freude und Liebe unser Kreuz auf uns nehmen, auch wenn wir manchmal fürchten, daß es uns erdrücken wird - denn der Herr wird uns kein Kreuz auflegen, daß wir nicht tragen können. Er wird uns immer sicher ans Ziel bringen, auch wenn wir manchmal nicht wissen, welches der Weg dorthin ist. Er weiß es. Denn wie steht es geschrieben:
"Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.
Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage."
(Matthäus 6, 25-34)
Nicht im Gestern leben, meine Lieben, und nicht immer zurückschauen - sondern heute leben. Jetzt und hier. Und voller Vertrauen und Hoffnung in das Morgen blicken - daß ist die Haltung eines Christen. Seht Lots Frau: Sie sah zurück, und wurde zur Salzsäule (siehe 1. Mose, Kapitel 19).


Wenn also andere verzagt sind, weil sie das Ziel und den Weg nicht kennen, und sich in Erinnerungen und dem Gestern verlieren, ich sage Euch, sie haben umsonst gelebt, und sind schon gestorben. Wer aber offenen Herzens, sich vom allmächtigen Vater im Himmel in das Morgen tragen läßt, der wird Heimkehren. Der wird nicht sterben und selbst zu einem Gestern werden, das irgendwann in Vergessenheit gerät - Nein: Er wird Heimkehren - Heimkehren in die Ewigkeit. Und das ist der Weg, die Stärke und die Hoffnung eines Christen, daß geschrieben steht:
"Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?"
(Johannes 11, 25-26)
 


Der Friede sei mit Euch,

Amen.